Warum „Familie und Beruf“ anders ist als „Pflege und Beruf“

von #pflegefreundlich, Allgemein, Pflegealltag, Sensibilisierung

Als Arbeitgeber interessante Angebote für eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu bieten ist aus der heutigen Arbeitswelt gar nicht mehr wegzudenken und spielen eine wesentliche Rolle in der Außenwirkung eines Unternehmens. Laut einer aktuellen Studie der Bundesinitiative „Erfolgsfaktor Familie“ sind es 92% der Mitarbeiter in familienfreundlichen Unternehmen, die Ihren Arbeitgeber in Bezug auf Vereinbarkeit Familie & Beruf uneingeschränkt weiterempfehlen. Im Zuge des Fachkräftemangels ein nicht zu unterschätzender Rekruting-Vorteil…

Aber wie sieht es dann mit der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf aus?
Ist das nicht das Selbe?

Maßnahmen aus „Familie und Beruf“ nicht 1:1 übertragbar auf „Pflege und Beruf“

Viele sind der Ansicht, dass das gleich zu  betrachten wäre. Wer sich um Kinder kümmert, macht das genauso für die pflegebedürftigen Eltern.

Nun sei eines gleich vorausgeschickt, wenn es um die Belastungssituation von Pflegenden Mitarbeitern geht: nicht immer ist der zu betreuende Mensch gleich „pflegebedürftig“ im sozialrechtlichen Sinn. Wer sich als Elternteil um sein Kind kümmert, hat es mit einem „hilfsbedürftigen“ kleinen Menschen zu tun, der Unterstützung braucht, z.B. bei der Körperpflege, beim Essen, beim Einkaufen oder beim Arztbesuch. Das Kind ist aber nicht per se „pflegebedürftig“.

So ähnlich ist es bei vielen Senioren: auch diese sind nicht gleich immer pflegebedürftig, sondern bedürfen aufgrund des Alters einer grundsätzlichen Unterstützung. Die ist aber in der Regel nicht minder aufwändig als die Versorgung eines Kindes und heißt, auch in diesem Fall ist Ihr Mitarbeiter einer erheblichen Mehrfachbelastung ausgesetzt. 

Und hier kommt schon der erste Unterschied:

Denn im Gegensatz zum Kindergeld, das Eltern auch für „nur“ hilfsbedürftige Kinder erhalten, wird Pflegegeld nur bezahlt, wenn es bereits einen Pflegegrad gibt. Wer also Senioren versorgt, ist per se schon einmal finanziell schlechter gestellt als Eltern.

 

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Wo genau liegen die Unterschiede?

Hier ein paar Beispiele aus mehreren Betrachtungswinkeln, die die Unterschiede zwischen Familie und Beruf versus Pflege und Beruf verdeutlichen:

a) rechtlich

Wenn der Vater sein schreiendes Kind, das heute morgen seinen Schmuseteddy nicht gefunden hat und deshalb nicht in die Kita will, in den Gruppenraum stellt, wird die Kindergärtnerin das Kind übernehmen und trösten, denn er übergibt einfach die Aufsichtspflicht an die Betreuerin.

Macht der Mann das morgens mit seiner an Demenz erkrankten Mutter, um sie in der Demenztagesstätte abzugeben, machen er und die Betreuerin sich der Freiheitsberaubung schuldig, wenn die Mutter nicht entmündigt und der Sohn als Betreuer eingetragen ist. Wenn sie es nicht will, MUSS er sie wieder mitnehmen, die Einrichtung wird sie nicht annehmen. Wie er das dann mit seiner Arbeitsstelle regelt, ist hier eine andere Herausforderung.

b) finanziell

Wie vorhin schon kurz angerissen, werden Leistungen wie das Kindergeld direkt an die Pflegenden, also die Eltern als Antragsteller ausbezahlt. In der Pflege ist der Bedürftige der Antragsteller und erhält damit das Geld und nicht der Pflegende. Ob er darauf, sprich auf das Auszahlungskonto Zugriff hat,  ist separat zu regeln und hoffentlich mit entsprechenden Vollmachten für den Ernstfall abgesichert.

c) sozial

Pflege ist immer noch ein Tabuthema und negativ behaftet. Pflege wird mit Problemen, Not, Tod und Traurigkeit in Verbindung gebracht. Nachwuchs wird in der Belegschaft mit Prosecco oder Champagner gefeiert. Wer einen Pflegefall aus dem Krankenhaus nach Hause bekommt und dem 85jährigen Vater täglich die Windeln wechselt, tut dies nicht so offenkundig kund. Weniger als 20%  aller Mitarbeiter outen sich ggü dem Arbeitgeber aus Angst vor beruflichen Nachteilen. Pflege verändert alles: das Familiengefüge, die Partnerbeziehungen, die Leistungsfähigkeit und Motivation, die Freiräume für Hobbies und Freizeitbeschäftigungen usw. Die Folgen sind daher oft Isolation und sozialer Ausschluß. Auch im Unternehmen unter den Kollegen!

Wer Freitags Nachmittag um 15.00 Uhr das Büro verlässt, um mit seiner Tochter für den Jugend-Marathon zu trainieren, ist die absolut coole Socke und der Vorzeige-Vater im Unternehmen.  Wer aber um die gleiche Zeit loszieht, um seine 70 jährige Mutter von der Demenztagesstätte abzuholen und ihr die Windeln zu wechseln, taucht lieber still und heimlich ab, als das an die große Glocke zu hängen, um Mitleid oder gar dummen Sprüchen auszuweichen.

d) organisatorisch

Wer in Ihrem Unternehmen ein Elternteil ist, erfahren Sie in der Regel über das Personalbüro: Wer hat einen Kinderfreibetrag eingetragen? Sie können diese Mitarbeiter also relativ einfach auf Ihre Unterstützungsangebote aufmerksam machen. Aber Pflegende Angehörige sind nirgends als solche erfasst, nicht bei ihrer eigenen Krankenkasse, nicht beim Einwohnermeldeamt und auch nicht bei Ihnen im Lohnbüro. Damit sind diese pflegenden Mitarbeiter auch nicht adressierbar. Wie also wollen sie sie erreichen, selbst wenn Sie Maßnahmen anbieten? Sie müssen also erst einmal herausfinden, wer überhaupt und in welchem Maße betroffen ist.

e) zeitlich

„Familie“ ist weitgehend planbar. Wenn sich Nachwuchs ankündigt, haben die Eltern in der Regel ein paar Monate Zeit zur Vorbereitung, um alle zu regeln. Und die Situation der Nachwuchsförderung wird im Normalfall zunehmend leichter: Krippe, Schule, Ausbildung/Studium… und dann sind sie aus dem Haus, die Sprößlinge.

„Pflege“ tritt meist plötzlich bis kurzfristig ein. Die Hauptgründe für einen Pflegefall sind Unfall, Schlaganfall oder Demenz. Wobei bei Letzterem auch der Worst Case oft plötzlich eintritt. Denn meistens wird Demenz so lange „ignoriert“ bzw. hingenommen, bis etwas passiert, weil die kognitiven oder körperlichen Fähigkeiten irgendwann nicht mehr ausreichen. Der weitere Verlauf ist schwer planbar und wird tendenziell immer schwieriger.

Achten Sie als Arbeitgeber auf diese Unterschiede zwischen Familie/Beruf und Pflege/Beruf?

Zum Beispiel, wenn Sie Ihren Mitarbeitern BGM-Kurse oder Erholungsbeihilfen anbieten. Ihr „normaler“ Mitarbeiter ist sicher erfreut und kann sein Kind vielleicht sogar in den Wochenend-Urlaub mitnehmen. Aber was macht der pflegende Mitarbeiter, der einen Angehörigen mit Pflegestufe betreut? Haben Sie hier entsprechende Partner, die Kurzzeitplätze vermitteln?

Diese und ähnliche Situationen begründen mitunter die weitaus größere psychische Belastung, die die Pflege insgesamt weitaus anspruchsvoller machen als die Sorge um eine gesunde Familie.

Deshalb sind Maßnahmen aus der Vereinbarkeit von Familie & Beruf nicht 1:1 übertragbar auf Pflege & Beruf. Als Arbeitgeber sollten Sie darauf achten!

Zahlen & Fakten zur Situation pflegender Angehöriger

Hier für Sie zusammengetragen einige der Quellen zur aktuellen Situation pflegender Angehöriger zum Nachlesen.

Wichtig bei der ganzen Betrachtung: In nahezu allen Studien ist nur von den mittlerweile Stand 2018 von rund 3,6 Mio. PFLEGEBEDÜRFTIGEN die Rede. Das sind Personen, die bereits einen Pflegegrad haben und damit Leistungen aus der Pflegekasse erhalten.

Hinzu kommen aber die rund 5,4 Mio HILFSBEDÜRFTIGE (siehe DIW Berlin), die von ihren pflegenden Angehörigen täglich etwa 1-2 Stunden versorgt werden, aber keine Leistungen aus der Pflegekasse erhalten. Die sind in den landläufigen Studien nicht mit einbezogen, weil sie primär nicht  erfasst sind und damit nicht bewertet werden können.

 

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Frau Herr
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